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Von Lucy

Mai 29, 2017

Durch die intensive Landwirtschaft und die industrielle Nutztierhaltung zur „Erzeugung“ von Fleisch, Milch und Eiern entstehen riesige Mengen an Gülle. Die Betreiber der industriellen Tierhaltungsbetriebe haben sich in der Regel spezialisiert und besitzen daher meist nicht die nötigen Flächen, um die anfallenden Mengen an Gülle sinnvoll zu nutzen.

Weil die Bauern nicht wissen, wo so viel überschüssige Gülle entsorgen sollen oder weil sie für die Lebensmittel- und Tierfutterproduktion das Maximale aus den Feldern herauszuholen versuchen, düngen sie Felder und Wiesen oft zu stark und sorgen damit für eine Überversorgung an Stickstoff und Phosphor.

Zwar brauchen viele Nutzpflanzen diese Nährstoffe, doch wenn sie in zu großen Mengen auf die Äcker und Wiesen gebracht werden, können weder die Pflanzen, noch die Böden die überschüssigen Nährstoffe aufnehmen.

Die verheerenden Folgen:

  • Die Bodenqualität leidet: Der Boden als Filter von Regenwasser verliert durch Überdüngung an Leistungskraft und die Erosion trägt fruchtbare Erde fort. Nur 17% des Stickstoffdüngers nutzen die Pflanzen zum Wachsen, berichtet Andreas Grabolle in „Kein Fleisch macht glücklich“. Der Rest belaste in Form von Nitrat oder Ammoniak Luft, Boden und Wasser.
  • Artenreiche Wiesen verschwinden: Viele Pflanzen vertragen den Stickstoffüberschuss nicht oder werden von Gewächsen wie Brombeeren, Brennnesseln und Löwenzahn verdrängt. Aus artenreichen und bunt blühenden Wiesen entstehen innerhalb weniger Jahre saftig grüne Fettwiesen, die zwar viel Heu liefern, in denen aber nur noch wenige Pflanzenarten wachsen. Pflanzen wie Frühlings-Kuhschelle, Nordischer Augentrost, Sumpf-Knabenkraut, Rosmarin-Seidelbast stehen nebst 80 weiteren Pflanzenarten sowie etlichen Moosen, Flechten und Pilzen aufgrund der Stickstoff-Überdüngung auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
  • Die Zahl der Insekten, Amphibien und Vögel sinkt: Weil die Wiesen den Insekten nicht mehr ausreichend Nahrung bieten, sinkt die Zahl der Insekten; es werden weniger Pflanzen bestäubt. Weil weniger Insekten als Futterquelle zur Verfügung stehen, sinkt wiederum die Zahl der Vögel und Amphibien. Insgesamt sinkt die Biodiversität – also die Vielfalt der Arten, die Vielfalt innerhalb einer Art und die Vielfalt der Ökosysteme.
  • Der Wald stirbt: Die durch die intensive Tierhaltung entstehenden Stickstoff-Emissionen sind der Umweltschutzorganisation Robin Wood zufolge Hauptverursacher des Waldsterbens: Zu hohe Mengen an Stickstoffverbindungen werden mit dem Regen in die Wälder gespült. Sie lassen die Böden versauern und schaffen Nährstoffungleichgewichte, die die Wälder schwächen. Stresssituationen wie etwa Trockenperioden könnten labile Wälder kaum noch verkraften. Die Folge: Dem Wald gehe es heute schlechter als in den 80er-Jahren, als das „Waldsterben“ das dominierende Sorgenthema in Deutschland war.
  • Die Trinkwasserqualität nimmt ab: An Standorten mit hoher Tierdichte ist das Grundwasser besonders stark mit Nitrat belastet, zeigen Daten des Umweltbundesamtes. Die hohen, gesundheitsschädlichen Nitratwerte verschlechtern die Trinkwasserqualität, da drei Viertel des Trinkwassers in Deutschland aus dem Grundwasser stammt. Das Wasser aus stark belasteten Brunnen muss aufwendig und kostspielig gefiltert werden – sofern es überhaupt noch trinkbar ist. Bei der Hälfte der deutschen Trinkwasser-Messstellen fällt die Belastung nach Recherchen von Andreas Grabolle deutlich zu hoch aus, bei 15% so hoch, dass das Wasser nicht ohne Weiteres als Trinkwasser genutzt werden kann. Im Nutztierland Niedersachsen sei der Grenzwert bereits bei 20% der Messstellen überschritten. Immer wieder müssen Wasserversorger Entnahmestellen aufgeben, weil das Wasser zu stark mit Düngemitteln belastet ist. Nach Berechnungen der Wasserwerke kostet das die Verbraucher – und nicht etwa die verursachenden Betriebe – jährlich bis zu 24 Mrd Euro.
  • Im Meer bilden sich Todeszonen: Stickstoff und Phosphor gelangen in die Flüsse und Meere und fördern das explosionsartige Wachstum von Algen, Wasserpflanzen und Bakterien. Diese entziehen dem Wasser am Grund den Sauerstoff, so dass dort kein Leben mehr möglich ist – es entstehen so genannte Todeszonen. Ganze Ökosysteme brechen zusammen, weil die Organismen und Fische ihre Lebensräume und Laichstätten verlieren (hier ausführlich). Weltweit leiden inzwischen 250.000 Quadratkilometer in bestimmten Jahreszeiten unter schwerem Sauerstoffmangel, berichtet der Fleischatlas 2013.
  • Das Klima wird belastet: Stickstoffoxide in der Luft tragen zur Feinstoffbelastung bei und fördern die Bildung bodennahen Ozons, das unsere Atemwege reizt. Auch setzt die Überdüngung mit Stickstoff klimaschädliches Lachgas frei – ein hochwirksames Treibhausgas, das sich lange in der Atmosphäre hält.
  • Schäden in Milliardenhöhe entstehen: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung beziffert die Stickstoffschäden in Europa mit 1 bis 4% der gesamten Wirtschaftsleistung. Das sind Hunderte Milliarden pro Jahr. Etwa die Hälfte der Stickstoffbelastung kommt dem Institut zufolge aus der Landwirtschaft.

Ein Drittel der Ostsee ist biologisch tot

Die Überdüngung (Fachbegriff: Eutrophierung) schadet auch unseren heimischen Küsten- und Meeresgewässern. Das zeigt eine Untersuchung der Länderbehörden von Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg.

© Umweltbundesamt

Hauptverursacher für den schlechten ökologischen Zustand der Nord- und Ostsee ist laut Umweltbundesamt die Landwirtschaft: Durch die mit Überdüngung entstehenden Nährstoffüberschüsse bilden sich zu viele Algen, die wiederum zu Licht- und Sauerstoffmangel führen. Dies beeinträchtigt das Leben von Seegräsern, Blasentang und Bodentieren. Im schlimmsten Fall entstehen so genannte Todeszonen.

Die Ostsee ist als Binnenmeer aufgrund des geringen Wasseraustauschs mit der Nordsee besonders stark betroffen: Etwa ein Drittel des Ostsee-Grundes ist bereits biologisch tot, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz.

Das können wir tun

  • Lebensmittel aus nachhaltiger Landwirtschaft kaufen: Fördere bäuerliche Landwirtschaft, in der nur so viele Tiere gehalten werden, wie der Hof mit selbst erzeugten Raufuttermitteln, Getreide und Hülsenfrüchten füttern kann.
  • Weniger Fleisch, Milch und Eier essen und damit den Anbau von Viehfutter und den Gülleausstoß reduzieren. 
  • So wenig Lebensmittel wie möglich wegschmeißen. Lagere die Lebensmittel richtig. Kaufe Sie nur so viel ein, wie du wirklich verbrauchst!

Quellen:

Ich bin Journalistin, lebe seit acht Jahren vegan und beschäftige mich seitdem intensiv mit pflanzlicher Ernährung und bewusstem Konsum. Meine Mission: Ich möchte mehr Menschen für eine gesunde, vegane und vollwertige Ernährung und einen bewussten Lebensstil begeistern. Denn ich glaube, dass wir alle die Welt besser machen, wenn wir bewusst entscheiden, was wir essen, konsumieren und kaufen – und was nicht.


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