„Wir fressen den Planeten leer“

warum vegan – Umweltschutz

Was hat der Fleischkonsum mit der Rodung der Regenwälder zu tun? Wie viel Treibhausgase verursacht eine Currywurst? Wie hängt das Artensterben mit der Massentierhaltung zusammen? Diese Fragen beantwortet die Umweltorganisation WWF in ihrer Studie „Das große Fressen“ (2015).

„Wir sind dabei unseren Planeten leer zu fressen“, warnt Tanja Dräger de Teran, WWF-Referentin für Nachhaltige Landnutzung, Klimaschutz und Ernährung, mit Blick auf die Ergebnisse:

  • 9,4 Mio Hektar werden für die Erzeugung von Lebensmitteln genutzt – ein Großteil davon im Ausland. Fast 70% dieser Fläche wird für die Herstellung von Tierfutter benötigt.
  • Auf die gesamten pflanzlichen Nahrungsmittel entfallen noch nicht einmal 30% des Flächenbedarfs.

Diese Flächennutzung ist aus ökologischer Sicht ineffizient, weil für die Herstellung von Fleischerzeugnissen, Milchprodukten und Eiern viele Ressourcen verbraucht werden.

1 kg Fisch verbraucht 4 Kilo Futter

Auch für Fisch als Nahrungsquelle kommt die Fläche ins Spiel. In Deutschland werden etwa 14 kg Fisch pro Einwohner verbraucht, die Hälfte davon stammt aus Aquakulturen. Um diese Fische aus Aquakulturen mit Weizen und Soja zu füttern, wird laut Rechnung des WWF eine Anbaufläche von 150.000 Hektar benötigt. Für die „Herstellung“ von einem Kilogramm Fisch braucht man etwa 4 Kilo Futter.

Unsere Ernährung hinterlässt große Fußspuren

Für seine Ernährung hinterlässt ein durchschnittlicher Einwohner Deutschlands damit laut WWF einen Flächenfußabdruck von 2.397 m². Der Löwenanteil (1.019 m² pro Kopf) entfällt dabei auf den Fleischkonsum. Es folgen Milchprodukte mit 602 m². Auf pflanzliche Produkte dagegen entfallen nur knapp 28%.

Das Problem: Um so viel Ackerfläche zu schaffen, werden Lebensräume zerstört. Riesige Flächen der Regenwälder werden Jahr für Jahr gerodet, um die Flächen als Weiden oder Anbauflächen zu nutzen. Das kann dramatische Folgen haben – u.a. für das Klima, den regionalen Wasserhaushalt und die regionale Artenvielfalt, berichtet der WWF. Die Tierhaltung gilt neben der Holzwirtschaft als Hauptverursacher für den Rückgang der Artenvielfalt in Südamerika und dem brasilianischen Cerrado. Auch in Deutschland verschwinden Bestände einst typischer Arten, wie etwa die Feldlerche. Außerdem laugt die Intensiv-Landwirtschaft fruchtbaren Mutterboden aus und zerstört so langfristig Ackerland (mehr dazu hier).

[mk_gallery images=“1267,1324,1329,1325,1327″ style=“style2″ height=“350″ frame_style=“gray_border“ orderby=“menu_order“]

Auch das Klima leidet durch tierische Lebensmittel

Doch unsere Ernährung hat nicht nur Auswirkungen auf die Fläche – sondern auch auf das Klima. Denn die Entwaldung und Umwandlung von natürlichen Graslandflächen zu Ackerland setzt große Mengen Kohlendioxid frei. Die Landnutzung trägt dem World Economic Forum zufolge sogar stärker zum Klimawandel bei als der globale Verkehr. Nach Recherchen des WWF lassen sich pro Deutschem knapp 2000 kg Treibhausgasemissionen auf die Ernährung zurückführen. Fast drei Viertel davon entfallen dabei auf tierische Produkte wie Fleisch, Milch, Eier und Fisch. Der Anteil pflanzlicher Produkte liegt nur bei 28%.

Die Klimabilanz eines Hamburgers

Zur Veranschaulichung hat der WWF ausgerechnet, wie groß der Flächenbedarf und die Treibhausgasemissionen beliebter Gerichte sind. Demnach benötigt ein Hamburger mit Pommes 3,56 m² Agrar-Fläche und rund 2,48 kg CO2-Emissionen. Ein Schweinebraten mit Rotkohl und Klößen schlägt mit 3,08 m² und 1,73 kg zu Buche. Mit gerade einmal 0,45 m² und 0,63 kg ist dagegen die Bilanz von Spaghetti mit Tomatensauce wesentlich geringer. Auch ein Rotes Linsencurry begnügt sich mit 0,33 m² Fläche und 0,75 kg CO2-Emissionen.

 

Die Erde ist nicht groß genug für diese Ernährung

Mit Blick auf die Zukunft verschärft sich die Problematik der Landnutzung zunehmend. Rein rechnerisch steht jedem Menschen laut WWF aktuell von der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der Welt anteilig eine Ackerfläche von 1.929 m² zur Verfügung – also deutlich weniger als die 2.397 m², die jeder Deutsche durchschnittlich für sich beansprucht. Für das Jahr 2050 wird erwartet, dass 9,6 Mrd Menschen die Erde bevölkern. Aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes ist es nicht empfehlenswert, die Ackerfläche entsprechend zu vergrößern – zu gravierend wären die Auswirkungen auf den Klimawandel und die Artenvielfalt.

Müssten die 9,6 Mrd Menschen mit der gegenwärtig verfügbaren Ackerfläche versorgt werden, stünde jedem Menschen ein Durchschnittswert von 1.442 m² zur Verfügung. Wie also lässt sich die Fläche so verringern, dass die Ackerfläche für alle Menschen ausreicht? Selbst wenn sich die Menschen so gesund ernähren würden, wie es empfohlen wird und keine Nahrungsmittel mehr wegschmeißen, ließen sich nur 271 m² Ackerfläche einsparen. Es fehlten also noch weitere 125 m². Um diese Fläche einzusparen, müsste der Fleischverzehr pro Person auf 350 g pro Woche reduziert werden. Der vom WWF empfohlene Fleischverzehr liegt am unteren Rand der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Zurzeit essen die Deutschen etwa doppelt so viel Fleisch, wie es Ernährungswissenschaftler empfehlen. Die Umstellung auf eine solche nachhaltige, ressourcenschonende Ernährung könnte einen signifikanten Beitrag leisten, den Druck auf die landwirtschaftliche Nutzfläche abzumildern.

Gleichzeitig würde diese Umstellung erheblich zum Klimaschutz beitragen. Die THG-­Emissionen unserer Ernährung würden von aktuell 1.991 kg CO2- Äquivalent/Kopf auf 1.736 kg CO2-­Äquivalent/Kopf und damit um etwa 23% unter dem Klimafußabdruck der aktuellen Ernährungsweise liegen. Sie würden sogar um 30% sinken, wenn wir einen einige tierische durch pflanzliche Proteine ersetzen würden.

Wie wir den Planeten und seine Ressourcen schonen können

Mit Blick auf den ökologischen Nachhall unserer Ernährung ist es keine private Angelegenheit, was wir essen. Mit jeder Mahlzeit entscheiden wir darüber, wie Lebensmittel produziert werden, wie viel Ressourcen dafür benötigt werden und woher die Lebensmittel stammen. Durch folgende Maßnahmen können wir das Klima und den Planeten schonen:

  • Weniger Fleisch, Fisch, Milch und Eier essen: Tierische Produkte verbrauchen sehr viel mehr Ressourcen als pflanzliche Lebensmittel. Man benötigt bis zu 16 kg Getreide, um nur 1 kg Fleisch zu produzieren. Deshalb: So oft wie möglich vegetarisch oder vegan essen. Hier einige Rezeptideen.
  • Saisonale Produkte bevorzugen: Durch die Verwendung saisonaler Lebensmittel können wir Energie sparen und unsere Treibhausgasemissionen senken. Bei der Auswahl hilft ein Saisonkalender.
  • Regional einkaufen: Kürzere Transportwege schonen das Klima – deshalb: Regionale Produkte vom Bauernhof, vom Wochenmarkt, aus dem Bioladen oder dem Supermarkt bevorzugen.
  • Nachhaltige Lebensmittel verwenden: Aus ökologischer Sicht sind Lebensmittel zu bevorzugen, die unter Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien produziert wurden. Eine große Auswahl nachhaltig produzierter Lebensmittel gibt es im Bioladen und auf dem Wochenmarkt.
  • Abfälle vermeiden: Wer so wenig Lebensmittel wie möglich wegschmeißt, schont ebenfalls das Klima. Lagere die Lebensmittel richtig. Kauf nur so viel ein, wie du wirklich verbrauchst und kaufe mit einer Einkaufsliste ein statt nach Lust und Laune.

Weitere Informationen 

[mk_padding_divider size=“30″]

FILMTIPPS ZUM UMWELTSCHUTZ DURCH ERNÄHRUNG

Du willst mehr wissen? Über die Hintergründe und Fakten zum Thema informieren die folgenden Dokumentationen anschaulich und unterhaltsam. Mit dem Kauf über die Affiliate-Links kannst du diese Seite unterstützen. Der Preis bleibt gleich. Lieben Dank!

[mk_padding_divider size=“10″]

COWSPIRACY

Industriell betriebene Viehzucht und Agrarwirtschaft sind unsere Klimakiller Nummer eins und damit hauptsächlich für die globalen Umweltprobleme verantwortlich. Aber warum wird diese wichtige Tatsache selbst von namhaften Umweltschutzorganisationen mehrheitlich ausgeblendet? „Cowspiracy“ deckt die verheerenden Auswirkungen der industriellen Viehwirtschaft auf unseren Planeten auf und bietet nachhaltige Alternativen an. Weitere Informationen zum Film bei Amazon.de. Hier der Trailer:

WE FEED THE WORLD

We feed the world gibt in eindrucksvollen Bildern Einblick in die Produktion unserer Lebensmittel sowie erste Antworten auf die Frage, was der Hunger auf der Welt mit uns zu tun hat. Zu Wort kommen neben Fischern, Bauern und Fernfahrern auch Jean Ziegler und der Produktionsleiter von Pioneer Rumänien sowie Peter Brabeck, Konzernchef von Nestlé International, dem größten Nahrungsmittelkonzern der Welt. Mehr Informationen bei Amazon.de. Hier der Trailer zum Film:

FOOD INC.

Was wissen wir eigentlich wirklich über die Lebensmittel, die wir täglich essen? Food, Inc. zeigt, wie eine Handvoll Konzerne darüber bestimmt, was wir essen und was wir über unser Essen wissen dürfen. Und wie die Lebensmittelindustrie zur Wahrung des eigenen Profits die Lebensgrundlage zahlreicher Landwirte und die Gesundheit der Konsumenten aufs Spiel setzt. Mehr Informationen bei Amazon. Hier der Trailer zum Film:

LIVE AND LET LIVE

Vom Schlachter zum veganen Chefkoch, vom Milchbauern zum Gründer des ersten „Kuhaltersheims“ – Live and Let Live erzählt die Geschichten von sechs Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen dazu entschlossen haben, auf jegliche Tierprodukte zu verzichten und zeigt, wie diese Entscheidung ihr Leben verändert hat. Weitere Informationen bei Amazon.de. Hier der Trailer zum Film:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.